Baubericht KA 6 e von RT und TR

  • Hallo zusammen,


    Thomas und ich haben ja im letzten Herbst je einen Rumpf einer Ka6e von Rippin abgeholt. Der Rumpf ist aus GfK und knapp 1,70m lang. Rippin liefert die Rümpfe mittlerweile in einer sehr ordentlichen Qualität und besonders angenehm ist, dass er bereits in 2K weiss lackiert ist.


    Ziel ist ein Thermik -Oldtimer in Rippenbauweise für Leitwerke und Flügel, aber nix Baukasten und nix Laser- oder Frästeile, Handarbeit ist angesagt.


    Im Simons und auch im Internet findet man maßstäbliche Übersichten zu dem Flugzeug, sodass man sich die wesentlichen Maße dort einfach besorgen kann. Die Rumpflänge incl. Seitenruder gibt somit einen Maßstab von 1:3,7 vor, das ergibt eine Spannweite von 4,05m sowie eine Höhenruderspannweite von 0,76m. Gewichtsmäßig bleiben wir satt unter 5kg, ganz vielleicht sogar eben unter 4kg, mal schauen. Dabei darf man nicht vergessen, dass wir von einem knappen Quadratmeter Flügelfläche sprechen...


    Die Grundrisse/Pläne zu dem Flieger, sprich alle Maße wie Flächentiefen an der Wurzel, am QR am Randbogen, QR-länge und Tiefe und und und sind mittlerweile alle geklärt, ein paar rudimentäre Pläne für die Flügel sind noch zu zeichnen, Seitenruder- und Höhenruderplan existieren bereits. Erste Bauteile liegen auch schon fertig vor uns (Fahrwerke, Schleppkupplung, eine Haube, beide Seitenruder...) also, der Anfang ist gemacht.


    Meine Idee ist, den weiteren Bau, aber auch die Planung und die Auslegung des Flugzeuges hier in Wort und Bild zu dokumentieren.


    Grüße Ralph

  • Hallo Ralph,


    schönes Projekt:thumbup::thumbup::thumbup:
    Ich werde gespannt mitlesen und staunen, was ich alles nicht kann:/


    Lieben Gruß Bernd (der aus Gruiten, der bald seinen Blaster 3.5 reaktiviert hat)

  • Finde ich super so ein Baubericht:thumbup::thumbup:


    "Willst Du sie in Stegbauweise wie beim Original machen?"

    Das wäre die Krönung aber auch ein klein bisschen mehr Arbeit;)


    Aber auch die Rippen in Blockbauweise ist eine schöne Arbeit ,

    also Thomas udn Ralph : Rann an den Speck:)


    Ach ja, wenn die beiden zusammen unter 8 KG flugfertig wiegen geb ich ne Runde:/


    LG

  • Moin,

    dat is bei meinen drei linken Händen echt ne Herausforderung, aber bis jetzt habe ich nichts kaputt gemacht.😊

    Aber es wird dauern... tausend kleine Dinge und viele mach ich dreimal.

    Mal sehen....

    Ralph kann's ja wenigstens!!

  • Schön, dass Interesse besteht :thumbup:


    Ich hab selber auch schon lange nix mehr selbst entworfen und in Rippenbauweise war nach über 20 Jahren der/die/das Babajaga das Erstlingswerk, aber Spaß hat es wieder gemacht.


    Um sich langsam wieder einzugrooven, fangen wir mal mit dem Seitenruder an.


    Die Höhe gibt der Rumpf vor und passt auch ziemlich genau zum Maßstab, den wir vorher anhand der Rumpflänge ermittelt haben. Die obere und untere Tiefe des Ruders kann man widerum den kursierenden Planzeichnungen des Originals entnehmen. Eine Profilierung haben wir für die Seitenruderfläche nicht vorgesehen, sondern lassen die Rippen einfach dreieckig nach hinten zur Endleiste des Ruders zulaufen. Ist im Original auch nicht anders. Die Dicke des Ruders oben und unten gibt wiederum die Dämpfungsflosse des Rumpfes vor. Einfach ausmessen, jeweils 1mm abziehen und gut ist.


    Jetzt stehen schon alle Maße des Ruders und man kann sich einen kleinen Plan aufzeichnen..., So ist gewährleistet, dass zwei zu bauende Ruder sich ähnlich sehen ;)


    Keine Angst, es geht nicht so dröge weiter, ab dem nächsten Beitrag kommen auch Bilder dazu :saint:


    Im Anhang gibt es noch die Übersicht aller abgenommenen Maße aus den Plänen


    KA6 e Planung für Rippin Rumpf.pdf

  • Moin,

    Ich habe dem Pummelchen bislang einen Haubenrahmen verpasst und die Haube aufgezogen. Dann einen Radkasten gebastelt und das Rad eingebaut. (Man beachte die versenkte Achse wie im Original).

    Dann einen Seitenruder gezimmert und noch ein Brett für Akku, Flitschenhaken und Schleppkupplung gebastelt und verklebt. Hier die Bilder:

  • Jetzt müsste ich mal die SR Anlenkung vorbereiten, einen Cockpitboden bauen und dann wohl Mal ein Höhenruder machen.


    Auf den Bildern sieht's doch ganz gut aus.

    Nur nicht zu nah dran kommen....😊

    Aber wie gesagt, noch nix kaputt gemacht.

    Ist jedenfalls ein ganz schöner Koffer.


    Gruß Thomas

  • Danke, Thomas, für die Bilder, leider sind vom Bau keine mehr da, aber das Seitenruder an sich ist ja auch nicht so aufregend... Von mir auch noch 2 weitere:





    Der Spant des Seitenruders ist aus sogenannter GFK Wabenplatte. Die Leitwerke wollen wir bewußt sehr leicht bauen, da ja jedes Gramm hinten am Leitwerk mit dem Faktor 3 bis 3,5 vorne aufgewogen werden muss und die Ka 6 soll ja möglichst unter 4 kg bleiben.


    Das erste Motorspatz-Seitenruder ist ansonsten in der gleichen Bauweise wie hier entstanden, aber der Spant war aus 2mm Balsa. Das war leider nur solange gut, bis die Bespannung aufgebügelt wurde. Durch das Spannen der Folie wurde aus dem Seitenruder ein Propeller mit mind. 3cm Verwindung. Das war ein Fall für die Tonne :(


    Sperrholz wäre natürlich naheliegend gewesen, aber eigentlich zu schwer. Da fiel mir diese Wabenplatte wieder ein, die ich vor Jahren mal vorsorglich gekauft habe. Dafür kann man ein mittleres Vermögen ausgeben oder man schaut hier mal: https://www.egge-span.de/shop/…GFK:::12_138_139_140.html


    Geniales Zeug, das Rohbauseitenruder wiegt jetzt 35gr und ist bocksteif:thumbup:


    Am Seitenruder fehlt jetzt nur noch das Ruderhorn und die Nasenleiste...

  • Parallel dazu entstehen jetzt die Höhenruder. Sie sind bei der KA6e als Pendelleitwerke ausgelegt.


    Beginnen wir mit der Profilierung: Relativ einfach auf den ersten Blick, man nimmt halt ein symmetrisches Profil, früher wurde für einen solchen Flieger ein NACA mit 9-12 % Dicke empfohlen und auch zigtausendfach geflogen. Beim Motorspatz bin ich diesen Weg noch gegangen, sogar mit einem 15% dicken Profil (da dies so am Rumpf angeformt ist), wundere mich aber schon hier und da, wie wenig Wirkung das Ruder dort bei recht großen Klappen hat.


    Da ist die Entwicklung der Aerodynamik offensichtlich nicht stehen geblieben. Heute sagt man den "dicken NACA's " einen sog Deadband-Effekt nach, der genau das obige Verhalten beschreibt: Man erhält eine relativ undefinierte Wirkung der Ausschläge.


    Heute nimmt man eher ein SD8020 mit 10% Dicke, das soll diese Unarten nicht zeigen.


    Ein Pendelleitwerk hat einerseits den Charme, dass man mit der EWD bis zum Schluß flexibel ist, einfach umtrimmen und fertig, andererseits muss man mehr Sorgfalt in die Anlenkung investieren, damit die Ruder nicht flattern bei etwas höherem Tempo.


    Wichtig in diesem Zusammenhang ist der sog. Neutralpunkt des Profils. Ein Profil, dass an diesem Punkt gelagert wird, verhält sich aerodynamisch völlig neutral, d.h. wenn Strömung auf es einwirkt erfolgt keine Ausrichtung nach der Richtung dieser Strömung (Gewichtsmäßig sollte es dann aber auch auf diesen Punkt ausgewogen werden) Damit ein Pendelleitwerk nicht flattert bei höheren Geschwindigkeiten, nutzen wir den sog. Windfahneneffekt. Dies bedeutet, wenn eine Strömung von vorne kommt, möchte sich das Leitwerk nach dieser Strömung ausrichten wie ein Wetterhahn.


    Dies erreicht man mit einer Lagerung/Drehachse vor dem Neutralpunkt des Profiles. Laut FLZ Vortex befindet sich der Neutralpunkt bei diesem Profil bei einer Tiefe von 25,8 %, d.h. wenn wir die Lagerung auf 23% legen, wird es nicht flattern, halbwegs steife Anlenkung natürlich vorausgesetzt.


    Jetzt sind erstmal die Musterrippen mit Hilfe des des Programms Profili entstanden. Leider war ich noch nicht fit genug in der Anwendung dieses Programms, sodass der Holmausschnitt nur für die Wurzelrippe stimmt, nicht aber für die folgenden Rippen. Wenn man sich einen kleinen Plan aufzeichnet, kann man die erforderlichen Ausschnitte aber ruckzuck übertragen. Ich denke das Foto dokumentiert das entsprechend:



  • Als nächstes werden in den kommenden Tagen weitere Baustufenbilder eingestellt werden, parallel hierzu arbeite ich noch ein wenig an der Tragflügelauslegung. Das ist dann also mein Erstlingswerk in Sachen aerodynamischer Auslegung, unterstützt durch das Programm FLZ Vortex.


    Einerseits kann man bei einem solchen Flieger nicht allzu viel falsch machen. Der einfachste Weg, wäre gewesen, den ASK18 Flügel von meiner "Ommma" zu kopieren. andererseits ist es auch mal spannend, sich mit der Aerodynamik tiefer zu beschäftigen.


    Wenn Interesse besteht, kann ich darauf in der nächsten Zeit ein bisschen eingehen...


    Grüße Ralph

  • Bevor es hier mit Baustufenbildern weitergeht, möchte ich noch etwas zur Größe der Leitwerke loswerden...


    Es könnte den Anschein erwecken, dass man lediglich die Originalmaße auf seinen Maßstab umrechnen müsste un d man bereits am Ziel sei. Das ist leider meistens nicht so, auch wenn es hier ganz gut zu klappen scheint.


    Das Seitenruder ist dabei recht unkritisch, die Höhe gibt der Rumpf ohnehin vor, also geht es nur noch um die Tiefe des Ruders oben wie unten. Da habe ich auf die Originalmaße vertraut, das schaut harmonisch aus und ist auch dem SLW der Ommma nicht unähnlich. In der Literatur habe ich hierzu nicht allzu viel Erhellendes gefunden, hab aber auch nicht sonderlich danach gesucht.... Ist die Wirkung später zu gering, dann ist der Aufwand, ein größeres Ruder zu bauen recht übersichtlich (Bauaufwand 3-5 Stunden)


    Beim HLW sieht das schon anders aus: Faustformeln aus den 80er Jahren (Perseke) besagten, dass HLW 1/6 bis 1/10 des Flächeninhaltes haben sollten, wobei 1/10 bereits durchweg gute Ergebnisse lieferte. Profiltiefen unter 80 bis 100mm sollte man nicht unterschreiten, da man sonst Probleme mit den Re-Zahlen bekommen kann. Bewährt haben sich darüberhinaus Leitwerkshebelarme von 4-6 x tm (tm= mittlere Flügeltiefe). Also schon eine ganze Packung an Bedingungen, die es zu beachten gilt.


    Heute ist auch für Modellflieger möglich, dies alles mathematisch zu untermauern, u.a. mit Hilfe von FLZ Vortex. Kennzahlen für ein gut funktionierendes Leitwerk sind das Stabilitätsmaß (Für Scalesegler nimmt man da Werte um 10-13 %), ausserdem ist wichtig, dass der Schwerpunkt des Modells vor dem Gesamtneutralpunkt liegt. Das alles sieht man in Vortex und so bin ich mir sicher, dass es hier mit den Originalmaßen klappen wird.


    Im Übrigen sieht auch das HLW der Omma ähnlich :saint:


    Grüße Ralph